Zu teuer, aber nicht mehr lange? Was M3 über die Inflation verrät

Der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

Die Inflation ist seit Anfang des Jahres wieder um einige Basispunkte gestiegen und liegt derzeit bei rund 3 Prozent. Die EZB hob die Zinsen sogar leicht an. Doch ein Indikator deutet darauf hin, dass dies nicht von langer Dauer sein dürfte: das Geldmengenwachstum. Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars, was die Geldmenge M3 über die künftige Inflations- und Zinsentwicklung verrät.

Die Rede ist von M3, dem breitesten Geldmengenaggregat, das die Europäische Zentralbank ausweist. Es baut auf M1 auf, das den Bargeldumlauf und die täglich fälligen Einlagen der Nichtbanken umfasst, und erweitert dieses um M2-Bestandteile wie Termineinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren sowie Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten. Hinzu kommen marktfähige Finanzinstrumente wie Geldmarktfondsanteile, Repogeschäfte und von Banken begebene Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Damit bildet M3 nicht nur das im Umlauf befindliche Geld ab, sondern auch kurzfristig liquidierbare Vermögenswerte und gilt gerade deshalb als der wichtigste monetäre Indikator, den Notenbanken zur Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Liquiditätslage heranziehen.

Der Zusammenhang zur Inflation lässt sich mit der Quantitätstheorie des Geldes erklären: Wächst die Geldmenge dauerhaft schneller als die reale Wirtschaftsleistung, trifft mehr Geld auf ein weitgehend unverändertes Angebot an Gütern und Dienstleistungen und das Preisniveau steigt. Anders als oft angenommen schlägt sich diese Dynamik jedoch nicht sofort in den Verbraucherpreisen nieder, sondern erst mit einer spürbaren Zeitverzögerung von rund anderthalb bis zwei Jahren, da Kreditvergabe, Konsum und Investitionen Zeit brauchen, um die Realwirtschaft zu durchdringen. Genau dieser Vorlauf macht M3 zu einem wertvollen Frühindikator, der bereits heute Rückschlüsse darauf zulässt, wohin sich Inflation und in der Folge auch die Leitzinsen in den kommenden Monaten bewegen dürften.

Abbildung 1: Inflation und M3-Wachstum in der Eurozone

20260818 Abbildung 1

Quelle: EZB (2026), Eurostat (2026); eigene Darstellung und Berechnung

Ein Blick auf die Daten bestätigt dieses Muster für die Eurozone eindrucksvoll (vgl. Abbildung 1): Verschiebt man das Geldmengenwachstum um etwa 21 Monate nach vorne, läuft es nahezu parallel zur tatsächlichen Inflationsentwicklung. Entscheidend ist nun, dass das M3- Wachstum nach einem kräftigen Anstieg bereits wieder rückläufig ist. Bleibt dieses Muster bestehen, dürfte die Inflation bis Anfang kommenden Jahres spürbar nachgeben und mit ihr auch der Spielraum der EZB für weitere Zinssenkungen.

Auch die historische Erfahrung stützt dieses Bild: Bereits der Inflationsschub der Jahre 2021 bis 2023 kündigte sich in ähnlicher Weise durch ein zuvor kräftig beschleunigtes Geldmengenwachstum an und auch der anschließende Rückgang der Inflation folgte dem abflachenden M3-Wachstum mit der gewohnten Verzögerung. Hinzu kommt, dass auch die Kreditvergabe der Banken, ein enger Verwandter der Geldmenge, zuletzt nur noch verhalten wächst, was zusätzlich für eine nachlassende Nachfrage- und damit Preisdynamik spricht. Nicht zuletzt beobachtet auch die EZB selbst die Geldmenge seit jeher als eine der beiden tragenden Säulen ihrer geldpolitischen Strategie, ein Umstand, der dem Indikator zusätzliches Gewicht verleiht.

Sicherlich befeuern auch geopolitische Faktoren wie die Iran-Krise die Preise zusätzlich, sodass die Inflation kurzfristig hartnäckiger bleiben könnte, als es das M3-Wachstum allein nahelegt. Auf mittlere Sicht dürfte der monetäre Gegenwind für die Inflation aber überwiegen: Ohne ausreichend Geld in der Wirtschaft lässt sich schlicht nicht dauerhaft mehr konsumieren und ohne mehr Konsum gibt es keine dauerhaft hohe Inflation.

Gefällt Ihnen unser Zins-Kommentar und haben Sie Wünsche oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns gerne direkt an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Einen wunderschönen Tag wünscht Ihr Kurt Neuwirth

neuwirth kurt neuwirth profile

Zinskommentar abonnieren

captcha

Mit dem Klick auf ‚Absenden‘ erklären Sie sich mit dem Empfang des Newsletters mit Informationen zu, z. B.: unseren Leistungen, unserem Unternehmen sowie mit dessen Analyse durch individuelle Messung, Speicherung und Auswertung von Öffnungsraten und der Klickraten in Empfängerprofilen zu Zwecken der Gestaltung künftiger Newsletter entsprechend den Interessen unserer Leser einverstanden. Die Einwilligung kann mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Ausführliche Hinweise erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Wieviel Kapitalgeber finanzieren Ihr Vorhaben? In 2 Minuten wissen Sie es genau.

Sie suchen Mezz-Kapital

News Quick Check

Investieren Sie in erstklassige Assets und Projekte mit ausgezeichneter Rendite.

Sie vergeben Mezz-Kapital

News Jetzt informieren